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purpleZi (CC0), Pixabay

Der ukrainische Präsident Selenskyj antwortete in einem Interview mit dem US-TV-Sender CBS, auf die Frage, ob die russischen Angriffe in der Ukraine einem Genozid gleichkämen, eindeutig bejahend: „In der Tat. Das ist Genozid“, sagte er.

In der Ukraine würden mehr als 100 Nationalitäten leben, so Selenskyj. „Hier geht es um die Zerstörung und Auslöschung all dieser Nationalitäten. Wir sind Bürger der Ukraine und wir wollen der Politik der Russischen Föderation nicht unterworfen werden.“ Unklar war zunächst, ob zum Zeitpunkt des Interviews die russischen Gräueltaten in Butscha bereits bekannt waren.

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Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) hat angesichts der Hinweise auf ein russisches Massaker im Kiewer Vorort Butscha einen Stopp russischer Gaslieferungen ins Gespräch gebracht. „Es muss eine Reaktion geben. Solche Verbrechen dürfen nicht unbeantwortet bleiben“, sagte sie laut Vorabmeldung in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“, die am Abend ausgestrahlt werden sollte.

Im Kreise der EU-Minister müsse ein Stopp der Gaslieferungen „miteinander besprochen werden“, sagte Lambrecht auf eine entsprechende Frage. Deutschland zählt bisher zu den Bremsern innerhalb der EU, was einen Gasboykott betrifft. Auch das stark von russischem Gas abhängige Österreich steht entsprechenden Überlegungen ablehnend gegenüber.

Scholz will Aufklärung

Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) kündigte zuvor härtere Sanktionen gegen Moskau und weitere Hilfen für das ukrainische Militär an. Die Bilder der „hemmungslosen Gewalt“ aus dem Ort Butscha nahe der ukrainischen Hauptstadt Kiew nach dem Rückzug der russischen Truppen seien „unerträglich“, so Baerbock heute auf Twitter. „Die Verantwortlichen für diese Kriegsverbrechen müssen zur Rechenschaft gezogen werden.“

Kanzler Olaf Scholz (SPD) forderte die Aufklärung der „Verbrechen des russischen Militärs“ in Butscha. Russland dementierte die Vorwürfe und nannte die Berichte und Bilder eine „Provokation“ seitens der Ukraine. Sämtliche russische Truppen seien bereits am 30. März aus Butscha abgezogen, behauptete das Verteidigungsministerium laut russischen Agenturberichten. Erste Berichte über zahlreiche Leichen auf Butschas Straßen gab es gestern, am 2. April.

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Die ukrainische Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk hat heute laut dem englischsprachigen Nachrichtenportal Kyiv Independent betont, elf Bürgermeister würden von den russischen Truppen als Geiseln gehalten. Diese stammten aus den Regionen Kiew, Cherson, Charkiw, Saporischschja, Mykolajiw und Donetsk.

Der Gouverneur der Region Luhansk in der Ostukraine hat laut Kyiv Independent bekanntgegeben, dass vier Bürgermeister der Region zu den Russen übergelaufen seien. Sie hätten Landesverrat begangen, so Serhij Haidai. Dabei handle es sich um die Städte Rubischne, Stanytsia Luhanska, Milove und Markivka, die alle von Russland besetzt seien.