Start Finance Pleite FACTO Financial Services AG: Investor Star Fund will nur die Abtretung...

Pleite FACTO Financial Services AG: Investor Star Fund will nur die Abtretung der Policen

389
0
Deutschlands Hauptplayer im Bereich LV-Rückabwicklung ist pleite. Die FACTO Financial Services AG aus München musste am 27. Juli 2018 eine Eigeninsolvenz anmelden.
Dass heißt: Zahlungsstopp an alle Gläubiger. Versuch einer Sanierung aus eigener Kraft.Der finanzstarke Partner im Rücken, der erst vor einem Jahr gegründete deutsch-amerikanische Investoren-Finanzpool Star Fund SCA RAIF mit Sitz im Großherzogtum Luxemburg (30, Boulevard Royal in der Stadt Luxemburg), ist zwar nach eigenen Angaben mit einem Finanzkapital von 270 Millionen Euro ausgestattet.

Aber der Manager Geoffry Stern von der Star General Partner S.a.r.l (ebenfalls 30, Boulevard Royal in der Stadt Luxemburg) denkt gar nicht daran, etwa der Verwaltung der FACTO Financial Services AG unter die Arme zu greifen.

Wo doch die Not gerade an dieser Stelle recht groß zu sein scheint.

Von 26.000 zur Rückabwicklung eingereichten Verträgen wurden von den 100 Mitarbeitern der FACTO erst 2.000 erfolgreich rückabgewickelt.

Die LV-Widerspruchs-Rechtsanwältin Erika Ruhrig von der Kanzlei Göddecke Rechtsanwälte aus Siegburg in Nordrhein-Westfalen schildert:

Zitat:

Die FACTO ist insolvent. Da ist wohl eine Riesenbombe geplatzt.
Jetzt liegen da lauter Verträge rum, die überhaupt nicht bearbeitet werden.
Wir haben das von diversen Versicherungsvermittlern gehört. Die versuchen, ihre Kunden da wieder wegzubringen, weil die Leute seit 3 Jahren auf Bearbeitung warten.

Und was macht der starke Partner Star Fund, über den der vom Amtsgericht München nun bestellte vorläufige Facto-Sachwalter Rechtsanwalt Dr. Hubert Ampferl aus München von der Kanzlei Dr. Beck & Partner Rechtsanwälte am 31. Juli 2018 mitteilte:

Zitat:

Die FACTO AG, die sich auf die Rückabwicklung von Lebensversicherungen spezialisiert hat, will damit das bisherige Geschäftsmodell auch gemeinsam mit dem Partner Star Fund fortführen.

Convent Star Fund denkt gar nicht daran, in das alte Geschäftsmodell der FACTO zu investieren, und zwar in die Rückabwicklungs-Vermittlung an Anwälte und auf einen Erfolg in einem Vergleich oder vor Gericht zu warten, um sich dann den erzielten Mehrwert mit den Kunden vielleicht noch halb und halb zu teilen.

Nach Modell A mit Rechtsschutz bekommt der Kunde 55 Prozent vom erstrittenen Mehrwert.

Nach Modell B ohne Rechtsschutz, wobei der Kunde aber eine Gebühr zahlen muss, erhält der Kunde 50 Prozent vom erstrittenen Mehrwert.

Oder nach Modell C ohne Rechtsschutz, wobei der Kunde alle Prozesskosten zahlt, erhält der Kunde 65 Prozent vom erstrittenen Mehrwert.

Diese drei alten Modelle interessieren den Großinvestor nicht.

Star Fund ist lediglich an der Forführung des Modells D interessiert, welches von der FACTO FS AG erst im April 2017 neu eingeführt wurde.

Star Fund teilte heute dem Leipziger Portal DieBewertung mit:

Zitat:

Star Fund ist ein Finanzpool von Investoren, die mit diesem Geld vor allem das Model D des Unternehmens FACTO Financial Services AG unterstützen beziehungsweise finanzieren wollen.

Beim Modell D geht es um die Abtretung einer Lebensversicherung durch den Kunden an die FACTO FS AG. Der Kunde erhält im Gegenzug innerhalb von 6 Wochen 20 Prozent eines von FACTO errechneten möglichen Mehrwerts über den von der Lebensversicherung errechneten Rückkaufswert hinaus.

Das Geschäft lohnt sich für FACTO: Denn bei einer Rückabwicklung stehen dem Inhaber der Police nicht nur der so genannte Rückkaufswert zu, sondern alle eingezahlten Beiträge und auch eine Nutzungsentschädigung seitens der Versicherung, da die Gesellschaft all die Jahre ja mit dem Geld arbeiten durfte.

Die LV-Rückabwicklungskanzlei Mingers & Kreuzer aus Jülich in NRW steht in Konkurrenz zur Münchner FACTO FS AG. Inhaber Markus Mingers (45) aus Aldenhoven in NRW streute Salz in die frische Pleite-Wunde.

Mingers teilte am 30. Juli 2018 auf Youtube in einem Mingers Brennpunkt mit:

Zitat:

Gut unterrichtete Kreise und Kenner der Materie haben das (gemeint ist die Pleite – Anmerkung der Redaktion) schon längst befürchtet. Jetzt ist eine große Unsicherheit auf dem Markt.
Wie geht man damit um?
Auch bei uns klingelt das Telefon Sturm.
Viele Vermittler haben sich gemeldet, die Angst haben vor einer Vermittlerhaftung. Sie haben keine Beratung betrieben, nur an FACTO weitervermittelt. Die Vermittler konnten keine Unwirtschaftlichkeiten bei FACTO überschauen, so dass ich die Vermittler nach meinem jetzigen Kenntnisstand nicht in der Haftung sehe. Sie haben auch ein fristloses Kündigungsrecht ihres Vermittlervertrages wegen Vermögensverfalls.

Dieses Recht auf fristlose Kündigung wegen Vermögensverfalls haben laut Mingers alle Kunden in den Modellen A, B und C, in denen die Policen entweder bei Anwälten liegen oder bei FACTO noch geparkt sind.

Bei den bereits abgetretenen Policen an FACTO in den Fällen B, C und D ist das Ganze nicht so einfach.

Darauf verweist Rechtsanwalt Dr. Timo Gansel von der Kanzlei Gansel Rechtsanwälte aus der Wallstraße 59 aus Berlin Mitte.

Zitat:

Je nach gewähltem Service-Modell kann die Insolvenz unterschiedliche Konsequenzen für die FACTO-Kunden haben.

Das große Risiko versteckt sich vor allen in den Modellen, bei denen Forderungen auf der Lebensversicherung an die FACTO Financial Services AG automatisch abgetreten werden. Das soll teilweise bei den Service-Modellen B, C und D der Fall sein.

Im Falle einer Abtretung wäre es dann tatsächlich so, dass die Rechte und Ansprüche aus den Lebensversicherungen an die FACTO AG übergehen. Die Pflichten bleiben aber vorab beim Versicherungsnehmer. Zu diesen Pflichten gehört auch die Weiterzahlung der Prämien.

Wie unzufrieden die FACTO-Vermittler mit der mutmasslich schleppenden Bearbeitung der Rückabwicklungen bei FACTO sind, zeigt der von GoMoPa.net jüngst aufgedeckte Fall, wonach der Inhaber des zweitgrößten FACTO-Vertriebes im November 2017 bereit war, 7.800 der 26.000 eingereichten Verträge über den Investmentcoach Axel Junker (56) aus Hürth bei Köln zur Konkurrenz Kanzlei Mingers & Kreuzer Anwälte umzurouten.

Ein Jurist wollte den Vorstandsvorsitzenden der Facto FS AG, Fabian Keller (44) aus Frankfurt am Main, telefonisch vor dem Datenleck warnen. Doch der Vorstand war telefonisch nicht zu erreichen und hat auch nicht zurückgerufen.

Es wäre ein Tausch vom Regen in die Traufe geworden: